Presse

aktueller Zeitungsbericht

Rhein-Zeitung vom 03.07.2018

 

Jochen Barth mit dem Rohmaterial und der Zeichnung des S-förmigen Grabsteins. Foto: Klaus Pfrengle 

 

Individuelle Grabsteine als Kunstwerke 

 

Ausgewählt Natursteine Barth stellt bei der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn aus

 

Von unserem Reporter 

 

Klaus Pfrengle

 

Simmertal. Grabmale sind keine Symbole, weil ein Mensch gestorben ist, sondern weil er gelebt hat. Dieser ganzheitliche Ansatz ermöglicht Steinkünstler Jochen Barth und seinem Team, für ganz besondere Menschen nach ihrem Tod individuelle Grabmalgestaltungen zu entwerfen. 

 

Einzigartig, wie jeder Mensch nun einmal Zeit seines Lebens ist. Wie sich mit besonderen Arrangements der Bogen zwischen Leben und Tod auf unterschiedliche und künstlichere Art und Weise spannen lässt, zeigt Barth jetzt auch bei der Bundesgartenschau in Heilbronn, die 2019 ihre Pforten für die Besucher öffnet. Er ist mit vier Grabsteinen dort vertreten.

 

Fachjury überzeugt

 

Insgesamt werden dort 67 Grabstellen präsentiert. In einem aufwendigen Auswahlverfahren wusste die „Ideenfabrik“ aus Simmertal zu überzeugen. Die Konkurrenz war groß, weil sich Steinmetze und Bildhauer aus ganz Deutschland an der Ausschreibung beteiligten. Eine aus verschiedenen Gewerken zusammengesetzte Jury entschied jetzt nach eigenen Kriterien, welches Grabmal präsentiert werden darf. 

 

Unter anderen lag der Fokus auf der Gestaltung, aber auch auf der Auswahl der Materialien. Aspekte der Nachhaltigkeit, Regionalität und Ökologie müssen größtmöglich berücksichtigt werden. „Wir sind sehr froh darüber, mit unseren Entwürfen überzeugt zu haben“, sagte Jochen Barth. Er gilt überregional nicht nur als ein Meister seines Fachs, vielmehr hilft er auch behutsam bei der Trauerbewältigung. Die Auftraggeber erfahren in zahlreichen Vorgesprächen nicht nur Anteilnahme, sondern erhalten auch Gelegenheit, bei der Entwicklung und Fertigung von Steinen und Einfassungen aktiv mitzuwirken. Jetzt, da die Teilnahme sicher ist, werde man die Materialien für die Umsetzung bestellen.

 

S-Form symbolisiert Lebensweg

 

Ein ganz besonderer Vorschlag ist die S-Form eines Grabsteins. „Dieser Stein soll den Lebensweg des Verstorbenen symbolisieren“, erklärt Jochen Barth. Durch den Schwung werden die erlebten Höhen und Tiefen sowie alle verschiedenen Phasen dargestellt. Im unteren Bereich der Stele ist der Stein fein bearbeitet und wird nach oben hin immer grober. Dadurch setzt die Verwitterung und vor allem die Bemoosung des Ruhrsandsteins unterschiedlich schnell ein, was so gewollt ist, um die Variabilität der Lebenszeit und Person noch mehr Ausdruck zu verleihen. Auch die Vergänglichkeit wird dadurch thematisiert und in den Vordergrund gerückt.

 

Doch was den Angehörigen vor allem als Erinnerung bleibt, sind die positiven Eigenschaften und Geschichten des verstorbenen Menschen. Diese positiven Dinge sind so perfekt wie die Bearbeitung der abgebrochenen Ecke, denn sie ist gleichmäßig und nahezu ohne Spuren bearbeitet. Denn auch negative Momente verblassen meist schnell. Was bleibt, sind schöne Gedanken, die man immer wieder gerne aufruft. Die Schrift ist im mittigen Bereich des Grabsteins platziert, in der der Spitzhieb langsam zur feineren Bearbeitung übergeht. Die Schrift ist handwerklich eingearbeitet und unterstützt in ihrer geschwungenen Form zusätzlich die S-Kurve des steinernen Denkmals.

 

Die Steine sind auf www.barth-natursteine.de zu sehen

 

Kreis Bad Kreuznach (West) vom Di, 03.07.2018 - Seite 16

 


Nachrichten Kirn10.10.2016

Großer Andrang beim Kirner Handwerkermarkt

 

Von Klaus Pfrengle

KIRN - Der Oktober zeigte sich zwar nicht durchgängig von seiner goldenen Seite, gleichwohl lockte der traditionelle Kunsthandwerker und Bauernmarkt in Verbindung mit dem verkaufsoffenen Sonntag und der Gewerbeschau die Menschen in Scharen in die Kirner Innenstadt. Und wie. Kein Wunder, boten die zahlreichen Aussteller drinnen wie draußen doch alles, was das Herz begehrt. Bisweilen gab es auf der Hauptachse Marktplatz und Steinweg kein Durchkommen mehr. Rund 80 Stände verteilten sich auf den gesamten Stadtkern. Unter ihnen auch viele Hobbykünstler und Handwerker, die sich bei ihrem Tatendrang bereitwillig über die Schultern schauen ließen.

Immer auf der Suche nach einem Schnäppchen oder kulinarischen Hochgenuss unterwegs waren gestern auch auffällig viele Auswärtige, die Kirn immer mehr als Einkaufsstadt für sich entdecken. Das Interesse aus den Nachbarregionen steigt stetig, beobachten die Einzelhändler schon seit Längerem. Des einen Freud, ist des anderen Leid, scheinen sich die Kräfteverhältnisse bezüglich Einkaufsverhalten aus dem Kreis Birkenfeld immer mehr die Nahe abwärts zu verschieben. „Wir können immer mehr Kunden vor allem aus dem Großraum Idar-Oberstein bei uns begrüßen“, informiert der Vorsitzende von Kirn aktiv, Bernd Gerhardt auf Nachfrage der AZ.

Was die Besucher grundsätzlich in Kirn so schätzen sind Auswahl, Vielfältigkeit und Kompaktheit querbeet. Allen voran wird das kleine aber feine, breit gefächerte Modeangebot für Junge und jung Gebliebene geschätzt. „Wir haben viele Stammkunden aus dem Nachbarkreisen“, verriet Brigitte Ries vom Modehaus Frötschl. Wie schon in den Jahren zuvor mussten sie und ihr Team sich mehrfach aufteilen, um dem Ansturm zwischen Ständern und Umkleidekabinen auch nur annähernd gerecht zu werden. Vor allem während des zwischenzeitlichen Regengusses platzte ihre Boutique aus allen Nähten. Nicht anders sah es in den anderen Geschäften in der gesamten Innenstadt aus. Zusätzliche Kaufreize wurden über satte Rabatte gesetzt.

Fahrende Händler mit großem Angebot

Die Daumen der Angestellten hinter den Kassen gingen die Kauflaune betreffend nur nach oben. Zufriedenheit herrschte auch bei den fahrenden Händlern, die den Markttag an der mittleren Nahe wegen der stets guten Nachfrage schätzen. Nicht zu vergessen die vielen Hobbyhandwerker- und Künstler sowie Vereine und Institutionen, die mit ihrem breit gefächerten Angebot als die Farbtupfer schlechthin gelten. Es gab auch abseits von Geschäften und Marktständen viel zu sehen. Etwa das Spektrum der Gewerbeschau. Unter dem Dach des Zeltes wurde Information und Beratung großgeschrieben. Wer allerdings „Gewerbe“ suchte, der wurde enttäuscht. Zumeist präsentierten sich Dienstleister oder Institutionen, wie etwa Stadt- und Verbandsgemeinde, Banken, Kirn aktiv, Versicherungen oder Medienbranche.

Ist die Gelegenheit für heimische Handwerker nicht attraktiv? „Nein“, sagt Andreas Heck, stellvertretender Vorsitzender etwas enttäuscht. Man telefoniere sich im Vorfeld stets die Finger wund, fände allerdings weder Schreiner noch Schlosser, Zimmerbetriebe oder Dachdecker, die sich und ihr Handwerk vorführen möchten „Diesbezüglich müssen wir nachjustieren und uns konzeptionell neu aufstellen, sagt einer, der nicht glücklich ist mit der Entwicklung.

Gaumenfreuden gab es an jeder Ecke. Auf dem Marktplatz konnte man am Vormittag zudem den Klängen der Spielgemeinschaft Kolpingkapelle Kirn lauschen. Eine Anschlusskapelle für den Nachmittag hingegen wurde schmerzlich vermisst. In Sichtweite drehte ein Karussell seine Runden.

Kurzum, die Veranstaltung war wieder eine gelungene Mischung für die ganze Familie und deshalb lohnte sich der Ausflug in die oft gepriesene Einkaufsstadt mit Herz.


M Kirn. Der bewährte Dreiklang von Gewerbeschau, Bauern- und Handwerkermarkt sowie verkaufsoffenem

Sonntag zog gestern wieder Tausende in die Kirner Innenstadt. „Alle ziehen an einem Strang, machen auf die Stadt und ihre Angebote aufmerksam und neugierig, kurbeln motiviert mit guten Gesprächen die Wirtschaft an“, sagte Bürgermeister Martin Kilian bei der Eröffnung im Zelt der Gewerbeinitiative. Dass sich dort und in der Stadt nur wenige Handwerksbetriebe präsentierten, sieht VG-Bürgermeister Werner Müller mit einem

lachenden und einem weinenden Auge. Schade, dass nicht mehr greifbares Handwerk gezeigt wird einerseits, gut, dass die Betriebe offenbar volle Auftragsbücher haben und den Messebesuch nicht stemmen können, andererseits. Das Handwerk sei tragende Säule der regionalen Wirtschaft. Auf die Bedeutung des verkaufsoffenen Sonntags (neben Andreasmarkt, Autofrühling und Frühlingsverwachen) wies Kirnaktiv-

Vorsitzender Bernd Gerhardt hin. Oft brauche man einen Anstoß von außen, um die Vielfalt Kirn zu erkennen. Ein Urlauberehepaar aus Dresden habe sich diesbezüglich begeistert geäußert. Das unterstreiche, dass man mit dem Angebot richtig liege. Vermisst hätten die Sachsen nur ein Lokal für landestypische Spezialitäten.

Beim gestrigen offenen Sonntag haperte es daran nicht. Gefüllte Klöße, Zwiebelkuchen, Wild – alles, was das Herz begehrt, war im Angebot. Anfangs war es schon früh voll in der Stadt, die Kinderkarussells drehten sich, an den Ständen war Betrieb, doch „pünktlich“ zur Geschäftseröffnung begann es zu regnen. Für viele Marktgänger war Flucht ins GiK-Zelt oder in die Geschäfte angesagt. Im Zelt konnte man sich in aller Ruhe beraten lassen und auf besseres Wetter warten, das sich prompt wieder einstellte. Gewinnspiele bei den

Stadtwerken, bei Kirn aktiv, bei den Schornsteinfegern oder bei Pfalzgas warteten. Etliche nutzten das Angebot der Stadtbücherei oder ließen sich am GiK-Stand Cocktails mixen. Heiratstermine im rustikalen Trauzimmer auf der Kyrburg wurden angeboten, Wandertouren konnte man ausknobeln oder sich Filme von Alt Kirn anschauen. Der Film vom (maroden) Parkdeck ist fertig. Fritz Bischof von der Initiativgruppe „Ich bin dabei“ verwies auch auf die Themen Innenstadtfest, Steine, Holz und Bier, die in der Mache sind. Beim großen Treff in Kirn wurde natürlich so manche Neuigkeit ausgetauscht. Etwa, dass Stadträtin Judith Dröscher Mutter von Nora geworden ist und Beigeordneter Peter Wilhelm Dröscher damit frischgebackener Opa. Seinen

Nachwuchs feierte Schornsteinfegermeister Dennis Conradi, der stolz auf Luana ist. Auf Opafreuden

wartet noch Andy Heck, der die Gewerbeschau als Stellvertreter des Stellvertreters der GiK eröffnete.

Für Freiluftanbieter wie Stefan Wiegmann, der mit Pelzen, Tierpräparaten und Lederjacken im

Westernstil erstmals in Kirn neben dem Georgsbrunnen aufschlug, war's ein rustikales Wildwest-Wettererlebnis. Andere Marktbeschicker, die seit Jahren zum Herbstmarkt kommen, konnte das bisschen Wasser nicht schocken. Hiltrud und Peter Bläsius kommen aus Köwerich (Mosel) seit 20 Jahren nach Kirn. Die Winzer im Ruhestand bieten Wein, Brände, Kränze und frische Quitten an, waren mit mittelalterlichen Angeboten auch auf dem Rheinland-Pfalz-Tag. Wetterfest sind auch die Steinmetze aus Simmertal. Jochen Barth ließ unter den Augen der Besucher am Markt ein Kyrburg-Relief entstehen, das Jochen Barth und Bildhauerin Svenja Schmitt in Kalkstein aus dem Altmühltal meißelten.


Nachrichten Kirn04.06.2016

Flügel für Friedhofsengel

 

Jochen Bart (rechts) und sein Team hoben den Engel vorsichtig vom Sockel. Foto: Klaus Pfrengle

Von Klaus Pfrengle

DENKMAL Schery-Werk wird restauriert / Erinnerungen an Hochwasserkatastophe

KIRN - Wer kennt den Hintergrund des Hochwasser-Engels auf dem Kirner Friedhof? Wohl nur die wenigsten Kirner wären wohl dazu in der Lage, auf diese Frage eine ausreichende Antwort zu geben. Dabei hat das Werk des 1912 verstorbenen Fotografen und Bildhauers Friedrich Schery einen historischen, wenn auch tragischen Hintergrund. Es erinnert nämlich an die Hochwasserkatastrophe aus dem Jahre 1878, als 26 Menschen in der Stadt ertranken.

Die Familie des Gerichtsdieners Ernst Schultheiß überlebte das Unglück wie durch ein Wunder. Diese wohnte am August-Bebel-Platz. Der Engel stand zunächst auf dem Rathausplatz. Die Umsiedlung hinauf zum Friedhof erfolgte irgendwann später.

Im Auftrag der Stadt Kirn wird der Engel nunmehr von Steinmetz Jochen Barth aus Simmertal umfangreich saniert. Mit schwerem Gerät hob dieser den Engel, der mittlerweile keine Arme mehr und nur noch einen Flügel hat, von seinem angestammten Platz auf dem Kirner Friedhof, um ihn in seiner Werkstatt der notwendigen Restauration zu unterziehen.

„Wir müssen einen neuen Flügel rekonstruieren und einen neuen Arm ansetzen“, informiert Barth. Darüber sollen Finger und Handgelenk verfestigt sowie Mängel im Gesamtbild beseitigt werden. Kurzum, der Engel wird von unten bis oben auf Vordermann gebracht oder auf neudeutsch einem Facelifting unterzogen. „Das wird nicht einfach werden, zumal uns als Vorlage für die Modellierungen und Anarbeitungen nur ein kleines Originalbild zur Verfügung steht“, freut sich Barth dennoch über die Aufgabe das Symbol einer historischen Kirner Tragödie in seinem Betrieb restaurieren zu dürfen.

 

 


„DENKmal“ erinnert an jüdische Opfer in Kirn

Kirn. Karl Heinz Brust macht mit dem Denkmal seiner Stadt ein Geschenk - Im November soll es fertig sein

 „DENKmal“: Unter diesem Namen soll künftig an die 46 jüdischen Kirner Mitbürger erinnert werden, die von den Nazis in Konzentrationslager deportiert wurden. Die meisten von ihnen starben, etliche Schicksale sind bis heute ungeklärt. Denk mal nach statt Mahnmal. Bürgermeister Martin Kilian brachte den Namen ins Spiel. Der Kirner Maler und Bildhauer Karl Heinz Brust setzte die Idee um, unterhielt sich lange mit der jüdischen Gemeinde, die seinen Entwurf für sehr gut befunden hat. In Gesprächen mit ihm berichteten sie vom Schicksal ihrer Familien, vom Mord im Konzentrationslager, vom Einsatz der Väter und Großväter als deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg. Jetzt nimmt das „DENKmal“ Form an. Brust fertigte Schablonen der lebensgroßen Figuren, die aus einer Zentimeter dicken Stahlplatten in der Hintertiefenbacher Kunstschmiede Bernard mit Lasertechnik ausgeschnitten wurden. Jetzt wurden die vier anonymen Figuren und der siebenarmige Leuchter in der Hochstetten-Dhauner Lackiererei von Christian Michel mit Epoxidharz grundiert und werden dann mit Zweikomponentenlack in anthrazid und beige lackiert.

Die lebensgroßen Figuren aus einem Zentimeter dicken Stahl sind in der Lackierei von Christian Michel (2. von rechts) bereits grundiert und werden noch endlackiert. Karl Heinz Brust (2. von links) hat die Schablonen entworfen. Auf der geplanten Mauer hinter den Figuren wird ein siebenarmiger Leuchter stehen, den Bauamtsleiter Markus Neubrech hält. Rechts: Sergej Getin, Mitarbeiter von Christian Michel.
Die lebensgroßen Figuren aus einem Zentimeter dicken Stahl sind in der Lackierei von Christian Michel (2. von rechts) bereits grundiert und werden noch endlackiert. Karl Heinz Brust (2. von links) hat die Schablonen entworfen. Auf der geplanten Mauer hinter den Figuren wird ein siebenarmiger Leuchter stehen, den Bauamtsleiter Markus Neubrech hält. Rechts: Sergej Getin, Mitarbeiter von Christian Michel.
Foto: Armin Seibert

Eine Frauenfigur, die einen Davidstern hält, soll etwas erhöht und im Vordergrund ihrer drei Begleiter stehen. Dahinter entsteht eine Mauer. Der Simmertaler Steinmetz und Bildhauer Jochen Barth hat die Mauersteine aus glashartem Jurakalk bearbeitet. Die Steine sind fast weiß, doch auf der Stirnseite hat sie Jochen Barth mit dem großen Stemmeisen abgeprellt und dann die Flächen handwerklich nachgespitzt.

Sie weisen eine feine Maserung aus, wie Karl Heinz Brust erfreut feststellt. Das Material kommt aus dem bayerischen Solnhofen. „Ein guter, harter Stein, der jahrzehntelange Haltbarkeit garantiert“, sagt Barth. Der ursprünglich einmal vorgesehene Sandstein weist diese Härte nicht auf, der Kirner Basalt wäre zu dunkel gewesen.

Die einzelnen Steine, die zu einer zwei Meter hohen Mauer gefügt werden, sind mit Bohrungen ausgestattet, durch die zur Verfestigung des Bauwerks Eisenstangen geschoben werden. Die Figuren stehen auf dunklen Mauerstufen - etwa 50 Zentimeter vor der Mauer. Als Standort wurde die Amthofstraße ausgewählt. Die nötigen Tiefbau- und Fundamentarbeiten laufen bereits. Mauer und Figuren stehen gegenüber dem alten Kino. Dort war einst die jüdische Synagoge. Das „DENKmal“ steht auf den zwei bisherigen Parkplätzen vor der Brauereihof-Mauer. Im Zwischenraum sind Kiesel vorgesehen, wie sie nach jüdischem Brauchtum bei Friedhofsbesuchen mitgebracht und auf Grabsteine gelegt werden. Allerdings werden die Kiesel befestigt, sagt Jochen Barth. Neben den Stahlfiguren werden zwei Stelen aus Lavabasalt platziert. Auf einer Säule wird der Frankfurter Rabbi einen Text verfassen, auf der anderen stehen die Namen der 46 Kirner Deportieren. Das DENKmal kostet rund 20 000 Euro - die Hälfte fließt aus dem Programm Aktive Stadtzentren. Karl Heinz Brust selbst verzichtet auf ein Honorar.

Voraussichtlich zum 10. November soll das Werk fertig sein. Die Erinnerung an die Juden in Kirn ist nicht unproblematisch. Karl Heinz Brust erinnert sich gut, wie manche Mitbürger reagierten, als er 1988 eine kleine 60 Zentimeter große Gedenktafel schuf. Da gab es sogar Drohbriefe gegen ihn. Das ist wohl Vergangenheit, hofft er.

Eine freundschaftliche Verbindung hielt er viele Jahre lang zu einem Rabbi in Jerusalem. Brust hatte eine Reise dorthin unternommen, lernte den Geistlichen beim Malen am Garten Gethsemane kennen. Er schloss ihm das Gittertor auf, bat ihn herein, bot ihm seine Gastfreundschaft an. Er habe ihn viel über Israel gelehrt, sagt Brust. Der Rabbi, der 2008 starb, war auch einmal in Kirn-Sulzbach bei Brust zu Gast.

Ein Mahnmal oder „DENKmal“ wurde viele Jahre lang gefordert. Jetzt ist es da. Das Leid darf nicht in Vergessenheit geraten, sagt Bürgermeister Kilian. Armin Seibert



Schulterschluss mit Idar-Oberstein

Kirn. Die Stadt setzt auf Kooperation mit dem Nachbarn an der oberen Nahe - Bäderkombikarte als erste Gemeinschaftsaktion

Die Schornsteinfeger Conradi (links) und Römer verkauften Tombolalose für den Förderverein Lützelsoon und lockten mit tollen Preisen.
Die Schornsteinfeger Conradi (links) und Römer verkauften Tombolalose für den Förderverein Lützelsoon und lockten mit tollen Preisen.

 Wenn in Kirn etwas los ist, dann strömen auch Tausende Besucher aus den Nachbarkreisen Birkenfeld und Rhein-Hunsrück in die frühere Lederstadt, und auch etliche Firmen aus dem Bereich der oberen Nahe wissen um ihr treues Publikum und beteiligten sich deshalb rege an der Ausstellung im Festzelt. Das signalisiere aber keinen Trend in Richtung Kreis Birkenfeld, sagt Bürgermeister Werner Müller (VG Kirn-Land) auf unsere diesbezügliche Anfrage. Nein, eine neue Richtung sei das nicht, betont Müller. Vielmehr sei man schon immer zusammen mit den Nachbarn darum bemüht, sich an der mittleren Nahe gut aufzustellen. Müller: „Wir haben ja auch über die Kreisgrenzen hinaus viele Berührungspunkte, beispielsweise mit der naheland-Touristik und der Hunsrück-, Schiefer- und Burgenstraße. Mit den Bürgermeisterkollegen gebe es schon lange regelmäßige Treffen. So will man auch beispielsweise beim Thema Mountainbiking mit der VG Rhaunen zusammenarbeiten. Die Verbundenheit der ganzen Region zeige sich auch bei der starken Resonanz etwa auf die Bier- und Backeswanderung, zu der viele Wanderer aus den Nachbarkreisen kommen.

Steinmetz Jochen Barth stellte seine Idee für QR-Codes auf Grabsteinen vor. Der Code führt zu einer Gedenkseite für den Verstorbenen im Internet.
Steinmetz Jochen Barth stellte seine Idee für QR-Codes auf Grabsteinen vor. Der Code führt zu einer Gedenkseite für den Verstorbenen im Internet.

Für Stadtbürgermeister Martin Kilian ist der Schulterschluss mit der Stadt Idar-Oberstein durchaus noch entwicklungsfähig. „In zwölf Kilometern ist man von hier aus mitten in Idar-Oberstein“, verdeutlicht Kilian den kurzen Weg zum Nachbarn. So biete sich eine gemeinsame Zusammenarbeit geradezu an. Erstmals war die Stadt Kirn kürzlich bei den Idar-Obersteiner Wirtschaftstagen vertreten, jetzt gastierte Idar-Oberstein erstmals bei der Kirner Gewerbeschau. In Zusammenarbeit mit Bürgermeisterkollege Frank Frühauf habe man jetzt eine erste greifbare Kooperation geplant, sagt Kilian. So soll es künftig eine Bäder-Kombikarte geben: Sie berechtigt dann zum Eintritt ins Idar-Obersteiner Hallenbad (das bis 2016 renoviert werden soll) und ins Kirner Jahnbad, denn die Freibadkapazitäten in Idar-Oberstein sind begrenzt. Badbesuche sollen natürlich dann auch Stadtbesuche nach sich ziehen - ein Win-win-Effekt. Schon im vergangenen Sommer hatten die Stadtwerke erfreulich viele Besucher aus dem Idar-Obersteiner Raum registriert.

Zum besucherstarken Sonntag in Kirn sagt Kilian, dass sich der Dreiklang aus Gewerbeschau, Handwerker- und Bauernmarkt und verkaufsoffenem Sonntag wieder gut bewährt habe. Im Gespräch mit Ausstellern, aber auch mit einigen Inhabern großer und kleiner Geschäfte sei die Veranstaltung als sehr gelungen gelobt worden, zieht Kilian Bilanz. Ideal sei das natürlich für die neu eröffneten Geschäfte gelaufen: Frötschl und Friedrich im früheren Tengelmann, das Modegeschäft My Store (nach Niederlassungen in Idar-Oberstein und Kreuznach jetzt in der Kirner Nahegasse) oder die Gaststätte Julchen am Markt hätten durch den Besucheranstrom ideale Startbedingungen gefunden. Wichtig: Es wurde nicht nur geschaut, sondern auch gekauft.

Der Rekordandrang veranlasste auch schon viele Festzeltbeschicker, schon für das kommende Jahr eine Reservierung abzugeben, sagt Verena Lang von der hier federführenden Gewerbeinitiative Kirner Land (GiK), die mit Standgebühren und Eigenleistungen den Zeltbetrieb trägt. „Da sind wir als GiK-Mitglied natürlich auch ein wesentlich Sponsor“, sagt Martin Kilian dazu. Dass die Stadt bei Kaiserwetter in Bezug auf Parkmöglichkeiten, die im Alltag reichhaltig vorhanden sind, an ihre Grenzen stößt, das ist kaum verwunderlich. Auch das sonst eher wenig genutzte Obergeschoss im Parkdeck war voll. „Vielleicht können wir für nächstes Jahr den Kiesel-Parkplatz mit einem Busshuttle nutzen“, sagt Kilian. Und noch einen Wunsch hat der Bürgermeister: Etwas mehr greifbares Handwerk könnte es im Zelt ruhig sein. Heizungs-, Sanitär- und Umwelttechnik statt immer mehr Dienstleistung wären schon schön, meint er. Das sieht auch Herbert Wirzius vom Förderverein Lützelsoon so und nennt ein Beispiel: „Da haben die Zimmerleute mal ein Häuschen gebaut, die Dachdecker haben es gedeckt, und dann hat es ein Kindergarten geschenkt bekommen.“ An Ideen mangelt es also nicht. Wie man mit guten Ideen und lukrativen Preisen eine Tombola für den guten Zweck aufzieht, das bewiesen die Schornsteinfegermeister Conradi und Römer mit ihre Aktion zugunsten des Fördervereins. Hunderte Lose wurden verkauft.

Goldenes Oktoberwetter dürfte für einen Besucherrekord gesorgt haben, jedenfalls war am Sonntag die Stadt voller Besucher - Autos standen im Bergerweg sogar am Friedhof entlang bis hinauf zur Kyrburg.

Die Schlepperchaoten um den Limbacher Gerhard („Mecki“) Preßnick kamen mit 17 Schleppern sternförmig von Otzweiler bis Seesbach in die Stadt und machten zum 12.Male das Dutzend voll. „Nie zuvor war das Wetter so schön“, sagte Michael Bier aus Bärweiler und zählte Jahre auf, als man im Nebel und durchnässt Kirn erreichte und den ganzen Tag über die Kleider nicht mehr trocken wurden. Im Zelt der Gewerbeinitiative Kirner-Land herrschte gegen 15 Uhr Hochbetrieb - Stadtwerkechef Jochen Stumm hatte mit seinem Team alle Hände voll tun und verteilte beim Entenangeln Sachpreise wie etwa 100 Kilowatt Strom an Stadtwerkekunden, oder eine 10-er Freikarte fürs Jahnbad schon fürs nächste Jahr. Schon ganz früh seien die Besucher geströmt, das Messezelt gut frequentiert gewesen. Die Gewerbeschau hätte ihrem Namen alle Ehre gemacht, und die Standbetreiber hätten für eine gemütliche und einladende Atmosphäre gesorgt, lobte Stumm, überall hätte man nur in strahlende Gesichter gesehen.

Auch in der Stadt an der Ecke Nahegasse / Gerbergasse steppte der Bär, hier luden die anliegenden Geschäftsleute an einem Gemeinschaftsstand ins Partyzelt ein und boten frischen Federweißen für einen Euro an. Alt-Bürgermeister und Kirns Ehrenbürger Fritz Wagner sprach von einem der besten Kunsthandwerker- und Bauernmärkte überhaupt und lobte die individuelle Beratung mit kreativen Ideen und einer reichhaltigen Auswahl im „Kaufhaus Kirn“ sowie das vielfältige Angebot mit mehreren Weltneuheiten, das quasi keine Wünsche offen ließ. Etwa am Stand der Sandstein-Graveure von Jochen Barth aus Simmertal mitten auf dem Marktplatz, wo ein so genannter QR-Code in das Grabmal eingearbeitet wird, dessen Abbild und Botschaft dann von den meisten Mobiltelefonen entschlüsselt werden kann. Somit werde aus dem Grabstein ein sprechender Gedenkstein, der auf eine Internetseite weiterleitet, wo persönliche Texte und ausgewählte Bilder das Leben und Wirken des Verstorbenen zeigt und anschaulich darstellt. Bernd Hey/Armin Seibert


Nachrichten Kirn 12.10.2015

Tausende bevölkern beim Kunsthandwerker- und Bauernmarkt mit Gewerbeschau die Kirner Innenstadt


Von Klaus Pfrengle

KIRN - Bekannte treffen, bummeln, schlemmen, sich einfach amüsieren: Tausende Besucher kamen gestern zum traditionellen Kunsthandwerker- und Bauernmarkt in Verbindung mit der Gewerbeschau und dem verkaufsoffenen Sonntag in die Kirner Innenstadt. Und wie immer, wenn das „Kaufhaus Kirn“ zu seinem herbstlichen Höhepunkt schlechthin einlädt, herrschte goldenes Oktoberwetter mit viel Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Kein Wunder also, dass bei diesen Rahmenbedingungen Organisatoren und Einzelhändler mit der Sonne um die Wette strahlten.

So manches Schnäppchen

·         ALLES SUPER

Für Marktmeister Timo Munstein hätte der Tag nicht besser laufen können. „Alles ist super gut“, schwärmte einer, der aufgrund der Menschenmassen viel länger für seine obligatorische Runde von Stand zu Stand benötigte.

Die zahlreichen Aussteller drinnen wie draußen boten alles, was das Herz begehrt. Klein und Groß schoben sich vor allem ab dem frühen Nachmittag regelrecht durch die Stadt. Immer auf der Suche nach Informationen, kulinarischen Genüssen, Unterhaltung oder dem einen oder anderen Schnäppchen. Und davon gab es wie gewohnt zur Genüge. Dabei fokussierte sich das Angebot für die ganze Familie nicht nur auf den Marktplatz. Überall in den angrenzenden Straßen herrschte ausgelassener Markttrubel, wenngleich die Lücken in den Standreihen doch unübersehbar waren. Rund 80 Beschicker, darunter etliche Hobbyhandwerker und Künstler, hatten im innerstädtischen Zirkel ihre Stände platziert, um ihre Ware, je nach Temperament, mal lautstark, mal zurückhaltend feil zu bieten.

Das Besucherverhalten war wie immer. Die überwiegende Mehrheit ließ sich, offensichtlich ohne gezieltes Kaufverhalten vor Augen, einfach nur so treiben, schlenderte herum, hielt hier und da ein Schwätzchen und vertrieb sich dadurch entspannt und gelassen die Zeit. Andere hingegen informierten sich gezielt über saisonale herbstlich bunte Dekorationen und alte, fast schon vergessene Handwerke, über Sortimente von Obst- und Lebensmitteln vom Erzeuger bis hin zu Nützlichem für Küche und Garten oder inspizierten in Bekleidungsgeschäften die aktuellen Herbstmode- und Wintertrends.

Die Rollenverteilung war klar geregelt. Während „Frau“ es sich nicht nehmen ließ, die Auslagen ausgiebig zu durchforsten, verweilte „Mann“ derweil geduldig im Hintergrund. Schon zur Halbzeit meldeten alle Modeanbieter, egal ob im Laden oder vor der Tür auf der Straße, gute bis sehr gute Umsätze. Aber auch alle anderen hatten kaum Grund zur Klage. Die Daumen von Privatanbietern, Hobbyanbietern, Vertretern von Vereinen oder Institutionen und fahrenden Händlern gingen auf Nachfrage der AZ, angesprochen auf die Kauflaune, meist nach oben.

Das Erste, was beim Rundgang durch die Stadt auffiel, war die enorme Bandbreite eines Marktes, der mittlerweile auch viele Auswärtige, etwa aus dem Hunsrück oder der Region Idar-Oberstein, in die Lederstadt lockt. Auch für sie gab es viel zu sehen und zu entdecken. Vor allem Handwerker zogen neugierige, zum Teil sogar bewundernde Blicke auf sich. Winzige Steinchen und Staubkörner flogen durch die Luft, als Steinkünstlerin Svenja Schmitt mit Hammer und Meißel einen Sandstein filigran bearbeitete. Unbeeindruckt von der staunenden Menge ließ sie das Spezialwerkzeug mit viel Gefühl und Geschick regelrecht über die Oberfläche des Schildkrötenpanzers tanzen.

Herzstück der Veranstaltung war neben dem Marktplatz der obere Bereich des Steinweges, wo das gerade erst neu eröffnete Geschäft vom Modeteam Frötschl und das ebenfalls neu eingerichtete Café Friedrich ihre erste Bewährungsprobe mit Bravour bestanden. Gleich um die Ecke hatte die Gewerbeinitiative Kirn-Land wieder ihr Zelt aufgeschlagen. Hier präsentierten sich Handwerk, Handel und Dienstleister aus der Region. Etliche Betriebe – vom Heizungsbauer, über Schornsteinfeger und Baumarkt bis zu Auto- und Getränkehändler – präsentierten ihr Leistungsspektrum. Und das konnte sich sehen lassen. Ebenso die Gaumenfreuden, die es an jeder Ecke gab. Selbst längere Wartezeiten wurden gerne in Kauf genommen. Zu groß war der Ansturm. „Schneller geht nicht“, warben die Verkäufer nicht selten um Geduld. Für die Kinder drehten zwei Karussells ihre Runden.

 


Simmertal16.03.2015


Eine Brücke zwischen Leben und Tod bauen

Die Brüder Jochen (rechts) und Nico Barth stehen für besondere Grabsteinvariationen; hier letzte Feinarbeiten für die Grabsteine für die Landesgartenschau.<br /> Foto: Klaus Pfrengle

Die Brüder Jochen (rechts) und Nico Barth stehen für besondere Grabsteinvariationen; hier letzte Feinarbeiten für die Grabsteine für die Landesgartenschau.
Foto: Klaus Pfrengle


Von Klaus Pfrengle

GRABSTEINE Jochen Barth aus Simmertal präsentiert seine Arbeit bei der Landesgartenschau in Landau

SIMMERTAL - „Ein Grabmal entsteht nicht allein, weil ein Mensch gestorben ist, sondern weil er gelebt hat.“ Es ist diese Denkweise der Anteilnahme, die Steinkünstler wie Jochen Barth es ermöglicht, ganz persönliche Grabmalgestaltungen zu entwerfen. Individuell und einzigartig, wie jeder Mensch nun einmal Zeit seines Lebens ist. Wie sich mit besonderen Arrangements der Bogen zwischen Leben und Tod auf individuelle und künstlichere Art und Weise spannen lässt, das zeigt Barth bei der Landesgartenschau in Landau, die am 17. April offiziell ihre Pforten für Besucher öffnet. Mit gleich vier Grabsteinvariationen ist dort das junge achtköpfige Team aus der Ideenwerkstatt Simmertals vertreten.

Barth gilt nicht nur als ein Meister seines Fachs, vielmehr hilft er behutsam bei der Trauerbewältigung mit. Die Auftraggeber erfahren in vielen Vorgesprächen nicht nur Anteilnahme, sondern erhalten auch Gelegenheit, bei der Entwicklung und Fertigung von Steinen und Einfassungen aktiv mitzuwirken. So schildert Barth seinen Alltag, der sich gerade von Planung und Fertigung aller vier Grabsteine für das künstlich angelegte Grabfeld inmitten des Landesgartenschaugeländes unterscheidet. Hinter jedem Vorschlag, egal ob für Ausstellungen im kleinen Bereich oder wie jetzt für die Landesgartenschau, stecke eine Philosophie, die den Übergang von Leben in Tod anschaulich darstellt.

Das fließende Jetzt

Jeder Mensch befinde sich nun einmal auf einem Weg, der am Ende zum Übergang in eine andere Welt führt. „Das fließende Jetzt macht die Zeit, das stehende Jetzt macht die Ewigkeit“, nennt Barth den Hintergedanken eines Grabmals, das eine Unterbrechung stellvertretend für den Tod aufweist. Auch die anderen drei Grabmäler spannen den Bogen zwischen Leben und Tod.

Und immer geht es darum eine Brücke zwischen Himmel und Erde anhand verschiedener Symbole zu beschreiben. Etwa durch ein Stahlband, welches um einen Stein verläuft oder wie beim Beispiel „Der Reisende“, wo eine Holzfigur sich auf einer Brücke befindet. Die Brücke dient dazu, die Lebensdaten des Verstorbenen zu halten. Dies markiert somit in konkreter Weise die Länge der Brücke beziehungsweise die Dauer des Weges und des Lebens. „Die Sonne scheint immer, es sind nur manchmal Wolken dazwischen oder andere Welten“. Dieser Spruch findet sich auf einem weiteren Grabsteinvorschlag für Landau wieder. Laut Beschreibung lässt der Durchbruch darin immer Licht durch das Grabmal scheinen und die beiden nebeneinander existierenden Welten werden durch die geteilte Oberfläche repräsentiert.

Rund 300 Stunden haben Barth und seine Mitarbeiter von der Planung bis zur Fertigstellung aller vier Grabsteine gebraucht. „Wir stellen an uns hohe Ansprüche und wollen unsere Ideen so gut als möglich umsetzen“, erklärt Nico Barth den immensen Zeitaufwand. Während sein Bruder der kreative Kopf ist, kümmert sich Nico mehr um die bürokratischen Belange des kleinen Steinmetzbetriebes, der nicht zuletzt seit der Bundesgartenschau in Koblenz überregional Aufmerksamkeit erfuhr. Schon dort konnte man mit besonderen Grabfeldern beeindrucken.

„Die üblichen schweren Grabsteine mit eher protzigen Einfassungen haben längst ausgedient“, sagt Jochen Barth. Es stecke viel Handwerkskunst in jedem Projekt, denn „jeder Stein will individuell behauen und in Form gebracht werden“.


Simmertal                                                                                                                                                                                                                           29.10.2014


Schmal und mit persönlicher Note

Die Firma Natursteine Barth in Simmertal öffnete ihre Türen. Jochen Barth (rechts) zeigte, wie ein Sockel aus Sandstein geschnitten und geformt wird.<br /> Foto: Klaus Pfrengle

Die Firma Natursteine Barth in Simmertal öffnete ihre Türen. Jochen Barth (rechts) zeigte, wie ein Sockel aus Sandstein geschnitten und geformt wird.
Foto: Klaus Pfrengle


GRABSTEINE Steinkünstler Jochen Barth entwirft einzigartige Erinnerungsstücke

SIMMERTAL - (pfr). „Ein Grabmal entsteht nicht allein, weil ein Mensch gestorben ist, sondern weil er gelebt hat.“ Es ist diese Denkweise, die Steinkünstler wie Jochen Barth es ermöglicht, für ganz besondere Menschen nach ihrem Tod ganz persönliche Grabmalgestaltungen zu entwerfen. Individuell und einzigartig, wie jeder Mensch nun einmal ist. Einen Einblick in seine Werkstatt und Schaffenskraft gewährte er Interessenten beim „Tag der offenen Werkstatt“ am vergangenen Samstag in Simmertal.

Barth gilt in der Branche nicht nur als ein Meister seines Fachs, vielmehr hilft er auf seine Art und Weise bei der Trauerbewältigung, nimmt Auftraggeber in vielen Gesprächen bei der Entwicklung und Fertigung von Steinen und Einfassungen mit.

Doch nicht nur für Grabmale sind er, sein Bruder Nico und fünf Angestellte Spezialisten. Weitere Standbeine sind Restaurationen von historischen Wohn-, Bau- und Fassadenelementen sowie Skulpturen für Gartengestaltungen, wie Vasen, Stelen oder Figuren. Nicht zu vergessen Steinkunst für ganz besondere Anlässe.

Heimische Materialien

„Wir setzen dabei zumeist auf heimische Materialien“, erklärt Barth. Von seinen vielfältigen Fähigkeiten und die seiner Kollegen konnten sich zahlreiche Besucher beim Tag der offenen Werkstatt überzeugen. Wer wollte, konnte sich auch selbst am Stein versuchen und kreativ werden. „Sieht einfacher aus, als es ist“, hörten sich die Kommentare nahezu immer gleich an.

Besonders im Fokus standen die Entwürfe von vier Gestaltungsmöglichkeiten von Gräbern wie sie Barth bei der Landesgartenschau 2015 in Landau präsentieren möchte. Diese spannen auf künstlerische Weise den Bogen zwischen Leben und Tod. „Die klassischen breiten Grabsteine werden kaum noch nachgefragt, vielmehr sind es die Kombinationen schmaler Steine, vesehen mit der jeweils persönlichen Note des Verstorbenen“, erklärt Barth.






Nahbollenbach: Ein Denkmal für einen aufrechten Bürger

Idar-Oberstein. Heute vor 125 Jahren wurde Paul Lang geboren. Pünktlich zu diesem Jubiläum wurde in Nahbollenbach ein Gedenkstein zu Ehren des früheren Ortsbürgermeisters feierlich enthüllt. Lang war ebenfalls exakt heute vor 71 Jahren von den Nazis im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet worden.

 

Gemeinsam mit den Nachfahren Paul Langs, seinen Enkeln Rolf, Fred und Knut, und den beiden K&uuml;nstlern Jochen Barth (rechts) und Armin H&ouml;ttemann (2. von rechts) enth&uuml;llten OB Bruno Zimmer und Landrat a. D. Axel Redmer den Gedenkstein f&uuml;r Paul Lang in der Ortsmitte von Nahbollenbach.
Gemeinsam mit den Nachfahren Paul Langs, seinen Enkeln Rolf, Fred und Knut, und den beiden Künstlern Jochen Barth (rechts) und Armin Höttemann (2. von rechts) enthüllten OB Bruno Zimmer und Landrat a. D. Axel Redmer den Gedenkstein für Paul Lang in der Ortsmitte von Nahbollenbach.
Foto: Manfred Greber

Der Heimathistoriker, Autor und ehemalige Landrat Axel Redmer erläuterte die Grausamkeit, die mit dem identischen Geburts- und Todesdatum zusammenhängt mit drastischen Worten: "Wenn ein Häftling Geburtstag hatte, kamen die Nazi-Schergen, oft betrunken, nach Mitternacht in die Barracke, weckten und verprügelten ihr Opfer und höhnten, das sei ihr Geburtstagsgeschenk." Viele überlebten diese Tortur nicht. So auch Paul Lang, der völlig zu Unrecht und ohne konkrete Anschuldigung zunächst im berüchtigten Koblenzer Vogelsang-Gefängnis der SA und schließlich im Vernichtungslager nördlich von Berlin gefangen gehalten wurde. Bis zuletzt hatte seine Familie in Nahbollenbach auf seine Freilassung gehofft - bis die Todesnachricht kam. Als Todesursache war "Kreislaufversagen" amtlich notiert. "Das war immer die Todesursache, wenn die Nazis einen Mord vertuschen wollten", erläuterte Redmer.

Mehr als 120 Menschen kamen zur Gedenksteinenthüllung in der Ortsmitte, unter ihnen auch die Nachfahren Paul Langs, seine Enkel Rolf, Fred und Knut. "Das freut mich besonders", sagte Helmut Franzmann, Sprecher der Offenen Gruppe, in seinen einführenden Worten. Franzmann dankte den verantwortlichen Künstlern, dem Stahlgraveur Armin Höttemann aus Idar-Oberstein und dem Bildhauer Jochen Barth aus Simmertal, die gemeinsam die sehr schöne Stele mit Messingrelief entworfen und gearbeitet hatten. Sie findet ihren Platz in einer Grünanlage an der Kreuzung Nahbollenbacher/Mühlenstraße, nur wenige hundert Meter vom Wohnhaus Paul Langs entfernt.

Oberbürgermeister Bruno Zimmer dankte der Offenen Gruppe, einem Zusammenschluss Nahbollenbacher Rentnern: Sie hätten sich nicht nur der Ortsbildverschönerung verschrieben, sondern auch der Erinnerung an die Vergangenheit des Stadtteils. Das sei heute eine besonders wichtige Aufgabe, damit junge Menschen niemals vergessen, was vor gar nicht all zu langer Zeit an Unrecht an Mitbürgern geschah, die verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Zimmer regte an, auch in Nahbollenbach Stolpersteine zum Gedenken an solche ehemaligen Mitbürger zu verlegen.

Helmut Franzmann, der noch mit vielen Zeitzeugen über Paul Lang gesprochen hat, würdigte den Goldschmied, der während der Weltwirtschaftskrise aus eigener Tasche Brot an Arbeitslose verteilte, als "aufrechten Bürger". Freunde hätten ihn immer wieder gewarnt, doch besser zu schweigen, doch Lang habe nie aufgehört, die Wahrheit auszusprechen und die Nazi-Diktatur zu kritisieren. Er hatte schon bei Hitlers Machtübernahme angekündigt, er werde nie die Hand zum Nazi-Gruß erheben - er hielt sein Wort. Das kostete ihn letztendlich das Leben. Junge Menschen über diese dunkle Zeit zu informieren, sei die Pflicht der Überlebenden und Nachgeborenen gegenüber Paul Lang: "Das, was ihm widerfahren ist, darf nicht vergessen werden."

Von unserem Redakteur

Stefan Conradt